Die Frage kommt im Bekanntenkreis und auf der Arbeit inzwischen so oft, dass ich sie lieber einmal richtig beantworte. Meistens klingt sie so: «Und das machst du wirklich alles selber?»
Nein. Und ich find, das gehört genauso auf die Liste wie das was schon läuft.
Was bei mir zuhause läuft
Alles hier drunter läuft auf zwei Rechnern in meiner Wohnung. Nichts davon ist bei einer Firma gemietet, nichts kostet ein monatliches Abo. Es sind alles freie Programme die andere Leute geschrieben und verschenkt haben. Die Logos gehören den jeweiligen Projekten, ich betreib die Sachen nur.
Was ich bewusst nicht selber betreibe
E-Mail. Der grösste Brocken und mein einziges echtes Scheitern. Ich wollte auch das selber machen. Geht aber nicht: mein Internetanbieter sperrt für Privatanschlüsse den Zugang den ein Mailserver zum Versenden braucht, und zwar schon seit Jahren und für alle. Dazu kommt das private Anschlüsse bei den grossen Mailanbietern pauschal als verdächtig gelten. Meine Mails würden also im Spam landen, selbst wenn ichs hinbekäme. Ich hab die Umwege durchgerechnet, sie kosten Geld und Nerven und bringen fast nichts. Also zahl ich ein paar Franken im Monat an einen Schweizer Anbieter. Manchmal ist die richtige Entscheidung, es einfach nicht zu machen.
Die Domain. Also der Name plamedi.ch selbst. Den muss man zwangsläufig bei einer Stelle registrieren lassen. Das ist keine Haltungsfrage, so ist das Internet halt aufgebaut.
Das Zertifikat für die verschlüsselte Verbindung kommt von einer gemeinnützigen Zertifizierungsstelle. Kann man auch nicht sinnvoll selber machen, sonst traut kein Browser der Welt der Verschlüsselung.
Ein Messenger für Benachrichtigungen, aus reiner Bequemlichkeit, parallel zu meinem eigenen Dienst. Und mein Internetanschluss und der Strom natürlich, aber da hörts dann auch auf.
Warum ich das so aufschreibe
Weil «alles selbst gehostet» als Aussage eh Unsinn ist. Niemand betreibt sein eigenes Seekabel. Die interessante Frage ist nicht ob man bei null anfängt, sondern wo man die Grenze zieht und ob man ehrlich sagen kann warum sie genau da liegt.
Bei mir liegt sie da wo meine eigenen Daten anfangen. Fotos, Dokumente, Kalender, Passwörter, die Sachen der Familie. Das läuft hier. Bei Infrastruktur die technisch gar nicht anders geht bin ich pragmatisch. Und beim Mail hab ich verloren, geb ich zu.
Das Ganze hört übrigens nicht beim Server auf. Aufm Handy läuft ein Android ohne Google-Dienste, aufm Rechner Linux statt Windows. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil ich irgendwann gemerkt hab, das ich bei jedem zweiten Update wieder wegklicken muss was die Firma gerne von mir hätte.