Was hier läuft

Die Frage kommt im Bekanntenkreis und auf der Arbeit inzwischen so oft, dass ich sie lieber einmal richtig beantworte. Meistens klingt sie so: «Und das machst du wirklich alles selber?»

Nein. Und ich find, das gehört genauso auf die Liste wie das was schon läuft.

Was bei mir zuhause läuft

Alles hier drunter läuft auf zwei Rechnern in meiner Wohnung. Nichts davon ist bei einer Firma gemietet, nichts kostet ein monatliches Abo. Es sind alles freie Programme die andere Leute geschrieben und verschenkt haben. Die Logos gehören den jeweiligen Projekten, ich betreib die Sachen nur.

Immich
Fotos: ImmichErsetzt Google Fotos. Das Handy lädt automatisch hoch, Gesichter und Orte werden erkannt, Rückblicke gibt es auch.
Nextcloud
Dateien, Kalender, Kontakte, Notizen: NextcloudErsetzt Drive, Kalender und Keep in einem. Synchronisiert ganz normal mit Handy und Laptop.
Jellyfin
Filme und Serien: JellyfinEin eigener Streamingdienst für die Familie. Eine alte Grafikkarte rechnet die Filme passend fürs jeweilige Gerät um.
Paperless-ngx
Dokumente: Paperless-ngxRechnung fotografieren, in einen Chat schicken, fertig. Zwei Minuten später ist sie eingelesen, verschlagwortet und durchsuchbar.
Vaultwarden
Passwörter: VaultwardenEigener Passwortspeicher statt Abo. Erreichbar nur von zuhause und über mein VPN, nie aus dem offenen Netz.
AdGuard Home
Werbeblocker fürs ganze Haus: AdGuard HomeLäuft im Netzwerk statt im Browser. Wirkt auf jedem Gerät, auch auf dem Fernseher und bei Besuch. Gibt es zweimal, falls einer ausfällt.
SearXNG
Suchmaschine: SearXNGSammelt Ergebnisse von anderen Suchmaschinen ein, ohne dass dabei ein Profil von mir entsteht.
ntfy
Benachrichtigungen: ntfyWenn etwas kaputtgeht, meldet sich mein eigener Push-Dienst aufs Handy, ohne Umweg über einen Konzern.
WireGuard
Fernzugriff: WireGuardVon unterwegs komme ich per VPN nach Hause. So muss nichts Empfindliches ins offene Netz.
Uptime Kuma
Überwachung: Uptime Kuma und GrafanaPrüft im Minutentakt, ob alles läuft. Jeden Morgen um acht kommt ein ausformulierter Bericht aufs Handy.
Proxmox VE
Unterbau: Proxmox und DockerDamit läuft jeder Dienst in seinem eigenen abgeschotteten Kästchen, statt alles auf einen Haufen zu werfen.
WordPress
Diese Website: WordPressSeit dieser Woche auch hier zuhause. Wie das gebaut ist steht unter Hinter den Kulissen.

Was ich bewusst nicht selber betreibe

E-Mail. Der grösste Brocken und mein einziges echtes Scheitern. Ich wollte auch das selber machen. Geht aber nicht: mein Internetanbieter sperrt für Privatanschlüsse den Zugang den ein Mailserver zum Versenden braucht, und zwar schon seit Jahren und für alle. Dazu kommt das private Anschlüsse bei den grossen Mailanbietern pauschal als verdächtig gelten. Meine Mails würden also im Spam landen, selbst wenn ichs hinbekäme. Ich hab die Umwege durchgerechnet, sie kosten Geld und Nerven und bringen fast nichts. Also zahl ich ein paar Franken im Monat an einen Schweizer Anbieter. Manchmal ist die richtige Entscheidung, es einfach nicht zu machen.

Die Domain. Also der Name plamedi.ch selbst. Den muss man zwangsläufig bei einer Stelle registrieren lassen. Das ist keine Haltungsfrage, so ist das Internet halt aufgebaut.

Das Zertifikat für die verschlüsselte Verbindung kommt von einer gemeinnützigen Zertifizierungsstelle. Kann man auch nicht sinnvoll selber machen, sonst traut kein Browser der Welt der Verschlüsselung.

Ein Messenger für Benachrichtigungen, aus reiner Bequemlichkeit, parallel zu meinem eigenen Dienst. Und mein Internetanschluss und der Strom natürlich, aber da hörts dann auch auf.

Warum ich das so aufschreibe

Weil «alles selbst gehostet» als Aussage eh Unsinn ist. Niemand betreibt sein eigenes Seekabel. Die interessante Frage ist nicht ob man bei null anfängt, sondern wo man die Grenze zieht und ob man ehrlich sagen kann warum sie genau da liegt.

Bei mir liegt sie da wo meine eigenen Daten anfangen. Fotos, Dokumente, Kalender, Passwörter, die Sachen der Familie. Das läuft hier. Bei Infrastruktur die technisch gar nicht anders geht bin ich pragmatisch. Und beim Mail hab ich verloren, geb ich zu.

Das Ganze hört übrigens nicht beim Server auf. Aufm Handy läuft ein Android ohne Google-Dienste, aufm Rechner Linux statt Windows. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil ich irgendwann gemerkt hab, das ich bei jedem zweiten Update wieder wegklicken muss was die Firma gerne von mir hätte.